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Der Kaffee eroberte das Abendland 1645 mit einem Kaffeehaus in Venedig; gefolgt von einem in England fünf Jahre später und in Marseille um 1659 und 1672 in Paris. In Wien wurde 1683 das erste Kaffeehaus eröffnet. Der Kaffeeduft bestach um 1670 auch die Deutschen und Hamburg erhielt das erste deutsche Kaffeehaus 1679.
Seit dem 18. Jahrhundert galt in Europa der Kaffee als Allheilmittel – im Orient entdeckte man ihn bereits 300 Jahre zuvor. Unter Friedrich dem Großen wurde das Kaffeegeschäft streng reglementiert und erlaubte nur staatlichen Röstereien die Kaffeeröstung.
Vorerst galt Kaffee als ein vornehmes Getränk der wohlhabenden Bevölkerung – als Kaffeesuppe (mit Brot) gelangte dieser auch in die unteren sozialen Schichten und mit der Industrialisierung wurde der Kaffee ein Getränk für jedermann.
Die meisten Deutschen, ca. 94%, trinken täglich Kaffee – von der Zubereitung zuhause mit der klassischen Kaffeemaschine, über Pad-Systemen oder Vollautomaten bis hin zum Coffee to go mit und ohne Milchschaum, mit und ohne Karamell-Haselnuss-Vanille-Sirup – Kaffee ist immer und überall zu finden und ist als alltägliches Genussmittel kaum noch wegzudenken.
Neben dem Kaffeegenuß daheim, genießen 71% der Kaffeetrinker ihren Kaffee unterwegs.
Nach den Angaben des Deutschen Kaffeeverbands e.V. trinkt jeder Bundesbürger pro Jahr 150 Liter des schwarzen Muntermachers und Deutschland ist mit einem jährlichen Rohkaffee-Verbrauch von über 500.000 Tonnen der drittgrößte Kaffeemarkt weltweit. Pro Kopf trinken die Deutschen demnach rund 6 kg pro Jahr – die Skandinavier sind mit 10kg jedoch Weltspitze.
Obgleich der Kaffeepreis zwischen Januar 2010 und Januar 2011 um ca. 66% stieg, lag der Jahresverbrauch 2010 in Deutschland bei rund 544.860 Tonnen und: Die Zahl der Kaffeeliebhaber steigt – ebenso wie die Auswahl und Sortenvielfalt.
Kaffee ist ein wichtiges Handelsgut:
Über 25 Millionen Menschen sind weltweit mit Kaffeeanbau, -verarbeitung und -handel beschäftigt. Jährlich werden auf einer Gesamtfläche von rund 10 Millionen Hektar circa 129 Millionen Säcke à 60 kg Rohkaffee produziert. Fast 99% der Gesamtproduktion entfallen dabei auf die beiden Hauptarten Arabica und Robusta.
Brasilien ist mit 28 Millionen Säcken seit Jahren vor Vietnam (17 Millionen) und Kolumbien (8 Millionen) größter und wichtigster Lieferant des Weltmarktes.
Die Kaffeepflanze Coffea Arabica kommt ursprünglich aus Äthiopien, Robusta findet man wildwachsend vorrangig in Uganda. Die Früchte sehen Kirschen ähnlich und färben sich beim Heranreifen tiefrot. Jede von ihnen enthält in der Regel zwei Kaffeebohnen. Bei der Kaffeepflanze handelt es sich um eine sehr empfindliche Pflanze, die nur in bestimmten Gegenden wächst und deren Anbau recht zeit- und arbeitsaufwändig ist. So müssen beispielsweise für 500 g Kaffeebohnen 2,5kg Kaffeekirschen gepflückt werden. Für den qualitativ hochwertigsten Kaffee werden nur die reifen Kirschen einzeln mit der Hand gepflückt. Den maximalen Ertrag erreichen Kaffeepflanzen nach sechs bis acht Jahren, bringen aber schon nach etwa drei bis vier Jahren erste Erträge.
An den zwei wichtigsten internationalen Kaffeebörsen in New York und London werden die Hauptsorten Arabica und Robusta gehandelt. Der Preis ist jeweils abhängig von der Qualität der Rohkaffeesorten, vom internationalen Kaffeeverbrauch, den Spekulationen am Terminmarkt sowie klimatischen oder politischen Veränderungen und von den Lagerbeständen der Produktions- und Konsumländer.
Da der Preis ausschlaggebend ist, werden bei der Produktion oftmals soziale, ökologische und qualitative Mindestanforderungen außer Acht gelassen – dabei sind weltweit laut der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) 100 Millionen Menschen vom Kaffee und seiner wirtschaftlichen Größe abhängig. Kraft, Nestlé, Procter & Gamble, Sara Lee, Tchibo bilden die fünf mächtigsten Kaffeekonzerne und wickeln rund 50% des weltweiten Rohkaffeehandels ab. Der Gewinn an dem Milliardengeschäft Kaffeehandel ist unterschiedlich (sprich: unfair) verteilt.
Während der sogenannten Kaffeekrise 2001/02 – aufgrund von Überproduktion und zurückgehender Nachfrage – wurden absolute Tiefstpreise für Rohkaffee erreicht. Seitdem steigt der Kaffeepreis wieder, allerdings erlangt der Großteil der Kaffeebauern trotzdem kaum oder nur wenig Gewinn und spürt keine Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitssituation.
Nach der Ernte, Aufbereitung und Weiterverarbeitung in den Anbauländern wird der Rohkaffee per Schiff in die Konsumländer transportiert. In Deutschland finden sich Rohkaffeevorräte in den Hafenstädten Hamburg und Bremen – die Reise des Kaffees dauert etwa zwei bis drei Wochen. Dort wird er gelagert oder direkt zum verarbeitenden Betrieb geliefert.
Nach dem Transport zum Kaffeeverarbeiter wird der Kaffee aus den Transportbehältern entnommen und kann nun entkoffeiniert, geröstet oder zu löslichem Kaffee weiterverarbeitet werden.
Den Kaffeekonsum ohne schlechtes Gewissen ermöglichen Organisation wie Fairtrade, Oxfam oder Gepa und UTZ CERTIFIED.
Diese verschreiben sich dem nachhaltigen Kaffeeanbau und der Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von benachteiligten Produzentenfamilien in Afrika, Asien und Lateinamerika. So garantiert Transfair (mit dem Siegel Fairtrade) und die Gepa, die Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt, einen festen Mindestpreis, einen Aufschlag für biologisch angebaute Produkte und eine Fairtrade-Prämie für Gemeinschaftsprojekte.
20% der Prämie müssen für Projekte zur Steigerung von Produktivität und Qualität verwendet werden. Zudem besteht das Verbot von illegaler Kinder- und Zwangsarbeit sowie das Verbot von Diskriminierung und die Einhaltung von Umweltstandards.
In Deutschland vergibt TransFair das Fairtrade-Siegel für fair gehandelte Produkte auf der Grundlage von Lizenzverträgen.
Ebenso engagiert sich UTZ CERTIFIED (ein Nachhaltigkeitsprogramm für Kaffee, Kakao und Tee) und arbeitet mit Unternehmen zusammen, die große Mengen von Rohstoffen aus Entwicklungsländern benötigen. Das Rückverfolgbarkeitssystem ermöglicht, dass der Anbauort und Ernte des Rohstoffes nachvollziehbar sind und garantiert, dass dies auf verantwortungsbewusste Weise geschieht.
Die Standards für den Kaffeeanbau beinhalten die Schulung der Arbeiter, Einhaltung nationaler Arbeitsgesetze und der ILO-Arbeitsnormen (bspw. Tarifverhandlungsfreiheit, Arbeitssicherheit, Verbot von Kinderarbeit), Gesundheitsversorgung für Arbeiter und ihre Familien, Maßnahmen gegen Bodenerosion, Minimierung des Einsatzes von Dünger und Pflanzenschutzmitteln, Minimierung des Wasser- und Energieverbrauchs, Verbot von Urwaldrodungen sowie Artenschutz.
Die Bauern sollen somit die Kaffeequalität steigern, ihre Produktionskosten reduzieren, bessere Preise erzielen und ihren Lebensstandard erhöhen können.
Um fairen, sprich umfreundlichen und sozial verträglichen, Kaffee zu fördern, hat die GTZ zusammen mit dem deutschen Kaffeeverband und dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz einen Kaffeekodex initiiert und mit Kaffeehändlern, Röstern, Produzenten entwickelt. Dieser „Common Code for the Coffee Community“ (4C), soll soziale und ökologische Mindeststandards auf den weltweiten Kaffeeplantagen garantieren. Auch die Kaffeeanbieter Kraft, Nestlé und Tchibo haben sich diesem Kaffeekodex verpflichtet.
Im Rahmen der Fairen Woche fand am 30. September 2011, dem offiziellen Kaffeetag, die „Kaffee.Pause.Fair“ statt. Mit einem Aufruf zu fairen Kaffeepausen in ganz Deutschland und einem neuen Weltrekordversuch von 500.000 Tassen Fairtrade-Kaffee an einem Tag sollte die Aufmerksamkeit für den fairen Kaffeekonsum geweckt werden. Dank der Unterstützung von zahlreichen Personen und Vereinen, Kirchen und Aktionsgruppen wurden bei über 1300 fairen Kaffeepausen bundesweit insgesamt 501.788 Tassen fairer Kaffee getrunken.
In zahlreichen Supermärkten sowie in Bio- und Naturkostläden finden sich fair gehandelte Produkte. Zudem findet sich ein breites Sortiment fair gehandelter Produkte in bundesweit über 800 Weltläden, den Fachgeschäften für Fairen Handel. Im Jahr 2010 wurden in Deutschland 7.218 Tonnen Fairtrade-zertifizierter Kaffee verkauft. Dieses Plus von 28% gegenüber dem Vorjahr beweist die Akzeptanz und Notwendigkeit eines „fairen“ Kaffees und dessen Genuß ohne schlechtes Gewissen. Derzeit bieten über 50 Hersteller rund 300 verschiedene Fairtrade-zertifizierte Kaffee-Artikel an.
... und gesund ist Kaffee auch noch?!
Noch sind nicht alle Geheimnisse des braunen Goldes gelüftet worden, immerhin finden sich zahlreiche Studien, die dem Kaffee positive Auswirkungen auf die Gesundheit zusprechen – allerdings sind diese oftmals auch widersprüchlich. Kaffee soll demnach in Maßen genossen (max. fünf Tassen pro Tag) gesundheitsfördernde Eigenschaften besitzen (mehr dazu unter www.coffeeandhealth.org.
In diesem Sinne: einen guten Kaffeedurst!
www.fairtrade-deutschland.de/fileadmin/user_upload/materialien/download/download_statement_Kaffee.pdf
www.welt.de/sonderveroeffentlichung/lavazza/article13579221/Am-30-September-wird-der-Tag-des-Kaffees-gefeiert.html
www.dw-world.de/dw/article/0,,15387987,00.html
www.presseportal.de/pm/53925/1384333/kaffee-bleibt-wichtiger-wirtschaftsfaktor-fuer-deutschland-kaffeekonsum-der-deutschen-leicht
www.kaffeeverband.de
http://www.kaffeeverband.de/kaffeewissen/von-der-pflanze-zur-bohne/aufbereitung/weiterverarbeitung
www.gepa.de/p/cms/media//pdf/aktuelles/menschen_portrait_kaffeebauern.pdf
www.gepa.de/p/index.php/mID/5.16/lan/de/xtra/91829737dc69a772cef4c8edbf28ef08/msg/67579aa0390ce1c262c3837074acb974/itt/GEPA-Kaffeepartner/index.html
www.merkur-online.de/nachrichten/wirtschaft-finanzen/kaffeekonsum-deutschland-steigt-zr-1059902.html
www.kaffeeverband.de
http://consumer.utzcertified.org
www.das-kaffeekontor.de/
www.zeit.de/2011/05/IG-Kaffee
www.faire-woche.de/der-faire-handel/
www.fairtrade-deutschland.de/mitmachen/aktionen-von-transfair/faire-woche-2011/
www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/geniessen/tid-8177/geniessen_aid_227743.html
www.kaffeetraditionsverein.de/index.php/Kategorie:Kaffeehistorie
www.tag-des-kaffees.de/aktuelle-aktionen.html
www.zeit.de/lebensart/essen-trinken/2010-12/gewissensbisse-kaffee
www.oxfam.de/sites/www.oxfam.de/files/20021201_kaffeekrisestudie_3677kb.pdf
www.oxfam.de/informieren/kaffee
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Frau Dr. Heidi Martini ist promovierte Historikerin und F...
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